Freitag, 16. Februar 2018

220 Jahre Neuenegg - Madame Poussarde

... oder der Baum von Le Boéchet



Schweizer Jura, 2. Februar 1798



Der Maire (Bürgermeister) des kleinen Weilers Le Boéchet galt schon seit Längerem als weltoffener und liberaler Mann. Ettliche Einwohner des kleinen Örtchens schätzten seine weitsichtigen Ansichten. Aber nicht alle!


Le Boéchet








































Als bekannt wurde, dass sich die Franzosen wohl in Kürze in Marsch setzen würden um die Werte der Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - auch in die Lande der Eidgenossenschaft zu tragen, viel dies auf fruchtbaren Grund. Die Steuern und die Dienstpflicht gegenüber der alten Stadt Bern störte den Maire schon lange. Er sah sich ebenso als Bürger. Im Wirtshaus hatte er zusammen mit einigen anderen Einwohnern den Entschluss gefasst, die Revolution und die Freiheit selber in die Hand zu nehmen und die Franzosen würdig zu begrüssen.

Als weithin sichtbares Zeichen sollte auch in Le Boéchet ein Freiheitsbaum errichtet werden. Mit vollem Enthusiasmus machten sich einige Einwohner ans Werk. In der Schankstube war es am letzten Abend noch zu einem heftigen Wortwechsel mit dem Zimmermeister Fehrli und dem Bauern Jusspard gekommen. Es war also damit zu rechnen, dass jemand etwas gegen den Baum haben würde. Um das Vorhaben aber durchzusetzen hatten sich der Maire und seine Revolutionäre bewaffnet. Auch Madame Poussarde hatte mit vollem Eifer zu einer Heugabel gegriffen. Sie hatte von den Schriften Rousseaus gehört und kannte auch die Bücher Voltaires. Für sie war die Zeit der Gleichheit endlich gekommen!


Monsieur le Maire

Der Freiheitsbaum wird zum Dorfplatz getragen









































































Moinsieur le Maire trat erfüllt mit dem Eifer der Revolution durch die Türe seines Hauses auf den ummauerten Vorplatz. Eine passende Stange lag bereits seit einiger Zeit im Hof. Sie kam wie gerufen. Die Frauen des Dorfes hatten noch in der Nacht aus gesammeltem Reisig, Haselruten und Tannenzweigen einen Kranz geflochten. Auch sieben seiner Getreuen sammelten sich nun und traten heran. Doch 'mon Dieu' was war da zu vernehmen? Raue Männerstimmen!


Jusspard und die Bauern

Zimmermann Fehrli und seine Getreuen


Jusspard und Fehrli hatten noch in der selben Nacht einige der 'Harten' um sich gesammelt. 'Was d Vättre fern gwerchet hönd isch guet gsee und söll gfäll bloibe!'* Mit diesem und ähnlichen Rufen traten zwei Gruppen Männer zusammen. Bauern und Handwerker. Dieses Gewäsch von Revolution und Franzosenzeugs ging ihnen gegen den Strich. Es war früher schon gut so und so sollte es auch bleiben! Aufgebraucht setzten sich die beiden Gruppen in Richtung Dorfplatz in Marsch.

*Was die Väter früher gemacht haben war gut und soll so bleiben.





An die Barrikade!

Die 'Harten' rücken an













































































































Die Männer des Maire hatten zu ihren Jagdflinten gegriffen. Sie waren fest entschlossen, das Zeichen der neuen Freiheit zu verteidigen. Drei der Männer trugen die Stange und den Kranz auf den Platz. Die anderen schoben einen Karren in den Weg der Angreifer.





Erst wird mir Worten und Argumenten gerungen


Die Lage spitzt sich zu - Le Maire versucht noch zu vermitteln

Der Freiheitsbaum steht - Le Maire aber flüchtet

















































































































































Mit anfangs respektvollem Abstand trafen die beiden Parteien aufeinander. Das eine Wort ergab das andere. Der Maire brachte manch kluges Argument vor, was die Bauern doch noch kurz zum Zögern brachte. Jusspard peitschte sie dann aber an. Die Leute von Fehrli machten den ersten Schritt und traten näher an den Freiheitsbaum, den die Männer des Maire mittlerweilen aufgerichtet hatten. Dieser Gesslerbaum musste weg! Die beiden Gruppen trafen vor dem Baum aufeinander. Ein Stossen und Schieben begann. Die kräftigen Handwerker konnten die Revolutionäre zurückdrängen. In der Hektik und dem Handgemenge löste sich ein Schuss. Wohl aus versehen, doch damit fiel das Schwert des Damokles nieder. Nur zwei Augenblicke später krachten weitere Flinten und der erste Mann ging zu Boden. Der Maire verlor die Nerven und flüchtete in Richtung seines Hauses. Darauf folgte ihm auch einer seiner Männer.


Madame Poussarde hat Jusspard niedergestreckt























Handgemenge am Baum





Aus der Überlegenheit stürmten die Harten vor. Doch im Übermut mussten sie Schläge einstecken und traten wieder ein paar Schritte zurück. Diesen kurzen Moment nutzte Madame Poussarde und stürmte wie eine Furie auf Jusspard zu. Er konnte sie nur noch verblüfft anstarren, bevor der Stiel der Gabel ihn zwischen den Beinen traf. Röchelnd ging er zu Boden. Die verdutzten Bauern sahen ihren Rädelsführer am Boden und verloren die Nerven. Das tapfere Schneiderlein zielte derweil auf Fehrli, schoss aber weit daneben und traf einen der Flüchtenden.


La Madame und das tapfere Schneiderlein stehen noch



Die letzte Verteidigerin der Freiheit: Madame Poussarde

















































































































Ein grauhaariger Zimmermann schlug mit der Rückseite der Axt zu und streckte das tapere Schneiderlein nieder. Die letzten beiden Revolutionäre hatten ebenfalls die Nerven verloren und rannten dem Maire hinterher zum Haus. Nur noch Madame Poussarde stand alleine beim Freiheitsbaum. Einen weitern Angreifer hatte sie bereits niedergeschlagen als Fehrli mit drei Spiessgesellen herantrat. Grimmig hielt er seine Männer zurück. Diese Furie wollte er selber rupfen. Die Madame wirbelte wieder den Stiel ihres Werkzeuges, doch der Zimmermann packte den Schaft mit grober Hand, zog die Frau heran und drosch ihr die Faust in den Leib. Madame Poussarde ging zu Boden wie ein Sack Mehl und rang nach Luft. Verzweifelt musste sie mit ansehen, wie Fehrli und die 'Harten' den schönen Freiheitsbaum zu Kleinholz schlugen.


Das Duell zwischen Madame Poussarde und Zimmermann Fehrli

Der Baum fällt



Kleinholz!




































































Fazit:

Wasi und ich hatten uns schnell ein Szenario um den Freiheitsbaum überlegt. Rasch waren die Modelle gewählt. Die Regeln nach 'Chosen Men' haben wir über Handgelenk angepasst. Hier kam uns die jahrelange Erfahrung mit verschiedensten Systemen sehr entengen. Das Spiel sollte erzählerisch werden. Die Würfel sollten einzelnen Elemente und Wendungen entscheiden. So haben wir in den ersten Runden mittels Skilltest und Würfen auf den Moralwert entschieden, wie der Wortwechsel und die Diskussion unter den Parteien sich entwickeln würde. So kam es, dass einmal die eine Gruppe stehen blieb und auch mal die andere einen Schritt zurück machte. Auch hatten wir uns darauf geeinigt, dass die Kampfeslust der einzelnen Männer wohl sehr schnell verflogen sein würde. So haben wir jedes Mal getestet, wenn ein Modell zu Boden ging. Madame Poussarde hatte sich so gut geschlagen, dass wir ihr im verlaufe des Spieles einen Namen suchen mussten und ihre Werte etwas verbesserten.

Das Spiel hatte fast schon etwas von einem Drehbuch. Es war dramatisch und wendete sich laufend. So rannte der Maire natürlich schon beim ersten Test und wollte sich einfach nicht mehr sammeln. So sah es aus, als sei das Spiel schon sehr schnell vorbei. Madame Poussarde und das tapfere Schneiderlein hatten sich aber extrem zäh gehalten. Der Ausgang des Szenarios war lange offen. 

Solche Spiele sind einfach toll und spassig! Sie machen einfach Laune 😎 
      

  

Donnerstag, 8. Februar 2018

Geländebau - Zeichen der Freiheit

Was passt denn in die Zeit der Revolution als Missionsziel?


Richtig: Ein Freiheitsbaum!

Beim Planen eines neuen Szenarios für meine Geschichte um den Franzoseneinfall von 1798 kam mir die Idee ebenfalls ein solches Zeichen einzubauen. 

In Aarau wurde gemäss diesem Bild am 1. Februar 1798 ein solcher Freiheitsbaum erreichtet. 

Der Freiheitsbaum von Aarau
Quelle: Antiqpaper.de






























Vor meinem geistigen Auge sah aber mehr ein Maibaum mit einem Kranz und roten Bändern. In diese Richtung wollte ich etwas machen.   



Maibaum
Quelle: Google - Schwarzwälder Bote

























Als Bastler und Geländebauer habe ich immer irgendwo noch passendes Material zu Hand. Also ab in die Werkstatt und hier und da etwas herumgesucht. In kurzer Zeit hatte ich einen passenden Ring gefunden. Mit Sekundenkleber habe ich dann verschiedenes Flock angeklebt. Einen zurecht gestutzten Ast habe ich auf der passenden Höhe mit zwei Stecknadeln ergänzt. Farblich angepasst, leicht gewasht und gebürstet machte der Baum schnell eine gute Figur. So habe ich den grünen Kranz angeklebt und aus Draht noch eine Kordel angedeutet. Schnell noch eine passende Münze mit genügend Gewicht herausgesucht und fertig ist der Freiheitsbaum. 



der Freiheitsbaum






































So schnell wie mir die Idee kam, so schnell war sie auch umgesetzt. Ein passendes Missionziel für das nächste Spiel. 


die ersten Revolutionäre sammeln sich schon




Freitag, 2. Februar 2018

220 Jahre Neuenegg - Die Berner im Landsturm

Berner Trachtenkunde


Die ersten 20 Figuren des Landsturms habe ich recht flüssig bemalt. Bei den Nächsten habe ich mir dann wieder etwas Zeit für die Recherche genommen. Die Suche im Internet hat mir sehr rasch eine Übersicht zu alten Berner Alltagstrachten zu Tage gefördert. Die kolorierten Bilder haben mir eine sehr gute Vorstellung geliefert, was ich einfliessen lassen könnte.









































Quelle: Alte Ansichtskarten, Internet, Google



In meinem Fundus hatten sich auch drei keltische Frauen sowie eine Frau aus der FIW-Reihe von Warlord eingefunden. Die Röcke schienen mir recht praktisch um hier zu versuchen zumindest die Trachten anzudeuten.


Natürlich mussten die Waffen zuerst ersetzt werden sowie kleinere Details an den Kleidern und Schwertgriffen mit Greenstuff nachmodelliert werden. Der Umbau der älteren Frau war recht einfach. Sie hielt ursprünglich einen abgeschlagenen Kopf in der erhobenen Hand. Diesen habe ich elegant entfernt. Durch das Beil in der anderen Hand und die Schürze war es für mich klar, dass sie die Metzgerin darstellen sollte. Die beiden Töchter erhielten Waffen aus dem Hause, welche ein Urahn damals aus der Schlacht von Murten 1476 als Trophäen mit nach Hause gebracht hatte. Das grosse Schlachtschwert und die Hellebarde wirken sehr archaisch und unterstreichen den Kampfesmut der Bernerinnen sehr gut. Bei allen drei Modellen konnte ich einfach eine stilisierte Alltagstracht malen. Die Frau aus dem French Indian War hatte ursprünglich vorne den Rock offen. Das geziemt sich natürlich nicht. So habe ich dieses Kleidungsstück auf züchtige Länge modelliert. Sie hat den Umgang mit der Muskete wohl schon von ihrem Vater gelernt und trägt die Waffe auch entsprechend selbstsicher. An die Munitionstasche hat sich noch ein Schwert geschnallt. Über ihrer Tracht trägt sie eine grobe Jacke.


Bernerinnen im Landsturm - Hellebarde und Langschwert stammen noch aus der Burgunderbeute von 1476



Die Männer stellen wieder Bauern und Handwerker dar. Die gelben Hosen der Alltagstracht habe ich auch hier wieder eingestreut. Ganz allgemein tragen die Männer ihre grobe Alltagskleidung. Der alte Jägersmann zieht mit seiner Entenflinte ins Gefecht. Seinen Enkel hat er zur Seite. Auch er trägt eine Jagdflinte. Zudem hat er sich noch einen Säbel an die Tasche geschnürt. 



Bauern und Handwerker greifen zu den Waffen








Auch diese Minis waren wieder ein Freude zu bemalen. Sie wirken sehr stimmig und abwechslungsreich. Damit ist mein Berner Landsturm nun schon auf dreissig Köpfe angewachsen. Wahrscheinlich kommt schon bald die Zeit in der sie gegen die Franzosen ziehen ... 



Der Trupp des Landsturms im Übrblick